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27. Nov. 2020

Neuer WWF-Bericht: Nur 11 Prozent von Österreichs Wäldern sind in sehr gutem Zustand

Wenig Natur in Österreichs Wäldern, ntensive Bewirtschaftung befeuert Lebensraumverlust und Artensterben

Intensive Bewirtschaftung und Monokulturen verursachen enorme Schäden – sowohl für die Ökologie als auch für die Forstwirtschaft selbst. (Bild: pixabay)

Wien - Nur elf Prozent von Österreichs Wald ist natürlich oder sehr naturnah, nur 0,8 Prozent davon sind effektiv geschützt. Hauptverantwortlich für den dramatisch geringen Anteil an artenreichen, klimafitten Naturwäldern ist die intensive Bewirtschaftung. Zu diesem Ergebnis kommt „Wald in der Krise“, der erste unabhängige Waldbericht für Österreich, beauftragt vom WWF. „Durch die Klimakrise und das Artensterben sind wir besonders auf naturnahe Wälder angewiesen. Gleichzeitig führen die massiven Eingriffe des Menschen mit zu vielen Monokulturen, übermäßigen Entnahmen und Forststraßenbau sowie überhöhten Wildbeständen zu schädlingsanfälligen Wäldern. Übernutzte Wälder sind weder für die Artenvielfalt noch im Kampf gegen die Klimakrise eine große Hilfe“, warnt Karin Enzenhofer, Waldexpertin beim WWF Österreich. Die Naturschutzorganisation fordert daher eine Trendwende in der Waldbewirtschaftung. „Politik und Forstwirtschaft müssen aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Intensive Bewirtschaftung und Monokulturen verursachen enorme Schäden – sowohl für die Ökologie als auch für die Forstwirtschaft selbst. Damit unser Wald seine Funktion als Klimaanlage, Kohlenstoffspeicher und Lebensraum für unzählige Organismen wieder voll und ganz ausüben kann, braucht es ein auf Ökologie ausgerichtetes Fördersystem und einen effektiven Schutz für die letzten Naturwälder“, sagt WWF-Expertin Enzenhofer. Eine nachhaltige Waldwende brächte auch wesentliche volkswirtschaftliche Vorteile, wie der neue Bericht „Wald in der Krise“ darstellt.

Obwohl viele der heimischen Waldflächen in abgelegenen Berghängen liegen, ist die Bewirtschaftung laut Waldbericht überdurchschnittlich intensiv. Während in Naturwäldern ein buntes Mosaik von Lebensräumen existiert, führt die intensive Forstwirtschaft zu gleichalten und homogenen Baumbeständen, die weit weniger Entfaltungsmöglichkeiten für die Natur bieten und anfälliger sind für Schädlingsbefall und Umweltschäden. „Vergleicht man alpine Wälder mit jenen in den Karpaten oder am Balkan, so ist der Anteil an gut erhaltenen artenreichen Naturwäldern in Österreich gering. Hauptgrund ist die jahrhundertelange Nutzungstradition in Österreich sowie massive Subventionen durch die öffentliche Hand etwa für Erschließungen von Wäldern“, erklärt Michael Huber von E.C.O. Institut für Ökologie, das im Auftrag des WWF den Waldbericht 2020 erarbeitet hat.

Für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Waldnutzung und Naturschutz fordert der WWF eine Ökologisierung der Forstpraxis. Der Waldbericht 2020 zeigt, dass die ökologisch wichtige Entwicklung hin zu mehr Durchmischung deutlich nachlässt: Hat der Laubholz- und Mischwaldanteil von Anfang der 1990er bis in die frühen 2000er Jahre noch um drei Prozent zugenommen, lag das Plus in der aktuellen Untersuchungsperiode 2016/2018 nur mehr bei einem Prozent. „Nachhaltige Bewirtschaftung heißt nicht nur, dass weniger Holz genutzt wird als zuwächst. Ebenso wichtig sind der Verbleib von Totholz im Wald, verschiedene Baumarten unterschiedlichen Alters sowie ein gesunder Waldboden. Nur so stoppen wir das Artensterben in unseren Wäldern“, sagt WWF-Expertin Enzenhofer.

Mehr Natur bringt wirtschaftliche Vorteile

Der Waldbericht 2020 präsentiert eine neue Analyse von Ökosystemleistungen im Wald, wonach Naturwälder auch in Bezug auf ihre Wirtschaftlichkeit einen deutlichen Mehrwert bringen können. Gleichzeitig werden diese Ökosystemleistungen des Waldes in der Praxis kaum in die Gesamtrechnung miteinbezogen. „Eine für Österreich repräsentative Untersuchung zeigt klar, dass eine naturnähere Bewirtschaftung und Intensivierung des Naturschutzes den ökonomischen Wert der Holzproduktion zwar verringert, dies aber in Summe um ein Vielfaches durch den Wohlfahrtsgewinn bei anderen Ökosystemleistungen aufgewogen wird“, so Hanns Kirchmeir von E.C.O Institut für Ökologie. „Der potenzielle Mehrwert durch intensiveren Naturschutz liegt beim bis zu 20-fachen gegenüber dem verringerten Holzertrag – insbesondere durch verbesserten Erosionsschutz, Schutz der Biodiversität sowie eine effektivere Speicherung von Kohlenstoff und die Aufwertung der Erholungsleistungen des Waldes.“

Hintergrund: „Wald in der Krise“ – WWF präsentiert ersten unabhängigen Waldbericht

Das auf Naturschutz spezialisierte Forschungs- und Beratungsunternehmen E.C.O., Institut für Ökologie, hat im Auftrag des WWF Österreich erstmals eine ausführliche unabhängige Analyse zum Zustand der heimischen Wälder vorgelegt. Die regelmäßigen Waldberichte des Landwirtschafts- und Forstministeriums hatten einen rein forstwirtschaftlichen Datenfokus und wurden 2015 eingestellt. Die neue Analyse „Wald in der Krise“ bemüht sich daher mit einem erweiterten Fokus die Natur- und Klimaschutzfunktionen des Waldes mit der forstwirtschaftlichen Praxis in Zusammenhang zu stellen und damit einen Beitrag zu einer wissensbasierten Diskussion über die Zukunft des Österreichischen Waldes zu liefern.

Download:
WWF Waldbericht für Österreich 2020 (pdf, 4,8 MB)
 

WWF

 

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