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20. Apr. 2026

Paradigmenwechsel bei Fieber

Neue Leitlinie führt zu einem Umdenken in der Versorgung

Witten/Herdecke - Fieber ist für viele ein Alarmzeichen, darum ist der erste Impuls oft, es zu senken. Doch die nationale S3-Leitlinie „Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen“, die unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) erarbeitet und von Prof. Dr. David Martin von der Universität Witten/Herdecke (UW/H) koordiniert wurde, rückt das Wohlbefinden des Kindes in den Mittelpunkt und nicht die Temperatur. Sie wird nun (17.04.) im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht und erreicht damit die gesamte Ärzteschaft in Deutschland. Kaum ein anderes Medium hat eine vergleichbare Reichweite und Autorität in der medizinischen Versorgung. Die Empfehlungen der Leitlinie gelangen so direkt in Praxen, Notaufnahmen und Kinderkliniken – dorthin, wo täglich über den Umgang mit fiebernden Kindern entschieden wird.

Vom Papier in die Praxis

Das Besondere: Mit der Leitlinie gibt es von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) erstmals klare, wissenschaftlich geprüfte Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Fieber bei Kindern. Sie rät zum Beispiel dazu, Fieber nicht vorschnell zu senken. „Fieber ist in den meisten Fällen eine sinnvolle Reaktion des Körpers – wir sollten es nicht reflexhaft bekämpfen, sondern das Kind in den Blick nehmen“, sagt David Martin.

Durch die Veröffentlichung im Deutschen Ärzteblatt werden die Empfehlungen jetzt zum Maßstab für die Praxis: Fiebersenkende Medikamente werden gezielter eingesetzt, unnötige Behandlungen vermieden. Auch der Einsatz von Antibiotika wird klar eingegrenzt – Fieber allein ist kein Grund für eine Verordnung. Das stärkt die Patient:innensicherheit und wirkt Antibiotikaresistenzen entgegen. Gleichzeitig gewinnen Ärzt:innen mehr Sicherheit im Umgang mit Fieber.

Orientierung für den Alltag

Auch für Eltern liefert die Leitlinie klare Hinweise. Kinder frieren während des Fieberanstiegs häufig, was sich etwa durch Schüttelfrost oder kalte Hände und Füße bemerkbar macht. In dieser Phase hilft es, ihrem Wärmebedürfnis zu folgen: zudecken, Ruhe geben, Nähe schaffen.

Nur wenn das Kind sichtbar unter dem Fieber leidet und andere Maßnahmen nicht geholfen haben, kommen Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen infrage. Und auch dann nur über einen begrenzten Zeitraum. Damit unterstützt die Leitlinie auch Eltern im Umgang mit Fieber und trägt dazu bei, Besuche bei Ärzt:innen zu reduzieren.

Weitere Informationen: Die S3-Leitlinie wurde in Zusammenarbeit mit 13 Fachgesellschaften und einem Patientenverband erarbeitet und durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses mit 200.000 Euro gefördert. David Martin leitet auch das mit 2,6 Million Euro geförderte Projekt Fit Für Fieber, in der die Umsetzung der neuen Leitlinie im Rahmen einer Studie mit 60.000 Kinder untersucht wird.

(c) Deutsches Fesundheitsportal

Deutsches Gesundheitsportal

 

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